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Dunkelziffer

Virus "SARS CoV 2" Visualisierung

Ich denke wiedereinmal laut, diesmal  zu #COVID19at, Dunkelziffer & Herdenimmunität. Disclaimer: Keine Virologin, aber Messende, mit Erfahrung in medizinischer Forschung / Pharma.

Los geht’s.

Ich gehe sowas immer mit sehr einfachen Handskizzen an. Personen, die erkranken, werden vom Gesundheitssystem erfasst, auch zahlentechnisch.

Handskizze mit 3 Männchen

Verstorbene, Erkrankte und Genesene

Vom Gesundheitssystem noch nicht erfasst:
Personen, die sich infiziert haben, aber nicht erkrankten (keine bzw. nur sehr milde Symptome).

Bei Recherche gelernt:
Bei verstorbenen Personen muss man vorsichtig mit der “Absolutheit” angegebener Zahlen umgehen. In Extremsituationen können Todesfälle nicht mehr “exakt” unterschieden werden. Heißt – nicht alle Personen sind direkt der Krankheit erlegen.

Das bedeutet wiederum:
Die angegebenen Sterblichkeitsraten können sich stark unterscheiden, abhängig von der Belastung des jeweiligen Gesundheitssystems.

(Anm.: Die “Mortalität” bezieht sich meist auf die Gesamtbevölkerung eines Landes.)

Ergo:
Wie viele Todesfälle COVID19 bei bestmöglicher Betreuung, aber noch ohne spezifisches Medikament, fordert, kann am ehesten bei einem Land angegeben werden, wo frühzeitig reagiert wurde (FlattenTheCurve) und optimale Betreuungskapazitäten zur Verfügung stehen.

Was wir noch nicht mit Bestimmtheit sagen können:
Ob und wie lange genesene Menschen immun sind. Weil wir – soweit aktuell recherchierbar – momentan noch auf Virus testen, nicht auf Antikörper, also auf die Immunreaktion des Körpers. Tests sind in Arbeit, aber das braucht Zeit.

Anmerkung: Antikörper-Testversuche laufen bereits; bei für den Privatgebrauch erhältlichen Tests bitte noch skeptisch sein, das ist oft mehr Abzocke als Zuverlässigkeit.  

Zwei wichtige Recherche-Punkte:

  • Das Virus verbleibt lange (Wochen) im Körper. Messergebnisse hängen davon ab, was untersucht wird (Rachenraum, Auswurf, Stuhl).
  • Andere Coronaviren führen zu Immunität, nicht ewig, aber über mehrere Monate (das lässt schon hoffen).

Jetzt zu den aktuell laufenden Tests. Getestet wird auch hier auf Virus, aber nicht mehr nur bei Menschen mit Symptomen, sondern breiter.

Dabei Vorsicht:
Mit diesen Ergebnissen allein können wir noch nicht auf einen tatsächlichen Grad der “Durchseuchung” schließen.

Handskizze mit 5 Männchen

Negativ auf Virus getestet – waren entweder noch nicht mit Virus im Kontakt oder haben den Kontakt bereits erfolgreich überstanden

Warum?
Weil wir nicht sagen können, wie viele Menschen mit dem Virus bereits konfrontiert waren, und das körpereigene Immunsystem es ausgeschalten hat.

Wir können nur eine Momentaufnahme sehen.
Wer aktuell das Virus aktiv trägt, und wer nicht.

Das Testen auf Virus macht natürlich trotzdem Sinn. Wenn ich infiziert bin und so viele Viren in meinem Körper aktiv sind, dass ich sie weitergeben kann (Stichwort Virenlast) – muss ich mich sicherheitshalber isolieren. Weil ich das Rad sonst wieder ankurble.

Zudem:
Man kann lokale “Infektionsherde” erkennen, und gezielt Maßnahmen ergreifen. Hier wäre anscheinend das Testen von Abwässern (Kläranlagen) gut – es gibt Fachartikel dazu, dass sich das Virus dort finden lässt. Anonym, objektiv … aber “kommunal” erkennbar.

Solange wir nicht mit Bestimmtheit sagen können, wie viele Menschen eine Infektion bereits erfolgreich überstanden haben, unabhängig von einer tatsächlichen Erkrankung … ist Vorsicht geboten.

Wir müssen uns so verhalten, als gäbe es keine Immunität.

Sonst fährt uns der Reproduktionsfaktor wieder davon, die Infektionswelle wird zum Tsunami, das Gesundheitssystem geht in die Knie. Weil wir eben noch nicht sagen können, wie die Verteilung in der nicht erfassten Gruppe aussieht.

Da tappen wir noch im Dunklen.

Handskizze mit 6 Männchen und Text

Die Dunkelziffer: Wir wissen noch nicht, wie viele Personen eine Infektion bereits ohne Probleme hinter sich gebracht haben – und wie viele nicht.

Persönliches Fazit:
Ich vermute sehr wohl, dass wir bereits viele Menschen mit “Immunstatus” haben. Mein einziger Hinweis ist jedoch, dass es sonst bereits VIEL schlimmer wäre, Maßnahmen hin oder her, auch international gesehen, bei den Ländern, die “vor” uns sind.

Beweise fehlen noch, also Obacht.

Wenn wir die Antikörper-Tests haben – sprich’ nicht auf Virus, sondern auf die Abwehrreaktion unseres Körpers – wird es klarer. Vielleicht sind wir dann sogar doppelt “lucky” und können nicht nur auf Antikörper testen, sondern sie sogar nachbauen bzw. den Körper gezielt dazu anregen, sie zu bilden.

Test & Isolate sind für mich klar. Trace … hm.

Da bin ich eher bei Testen an neuralgischen Punkten, auf diesen Daten basierend modellieren; im Anlassfall persönlich-individuell interagieren (und so Ansteckungsmöglichkeiten identifizieren, ähnlich wie bei HIV).

Und weiterhin die Ansteckungsgefahr direkter minimieren. Abstand halten, Menschendichte reduzieren, Zusatzmaßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz um Tröpfchenwolken zu reduzieren, zeitversetzt arbeiten (z. B. kleine Schulgruppen) … a bisserl kreativ werden, nicht nur restriktiv.

Was digitales Tracing (z. B. App) bringt, ist für mich noch immer nicht nachvollziehbar. Eher … absurd. So viele Fehlerquellen. So fragwürdige Wirksamkeit.

Und nein, ich bin nicht “anti-digital”.
Ohne Rechner Tests auswerten? Na viel Spaß ;)

Ich vermute hier aber sehr wohl, dass man zuviel Vertrauen in eine technische Möglichkeit steckt, und gleichzeitig ein viel zu leicht zu missbrauchendes Machtinstrument schafft. Da reden wiedermal nicht die richtigen Leute richtig miteinander. It happens.


Abschließend noch an Mathe- und Excel-Fans … auf die unterschiedlichen Arten achten, wie kommunzierte Zahlen entstehen. Höllisch vorsichtig sein, welche Rückschlüsse “rein mathematisch” wirklich möglich sind. Der Kontext macht’s!

Link zu einem interessanten Artikel dazu
» Wissensmanagement & Treppenmodell nach North


Nachtrag:
Das Virus erfolgreich im eigenen Körper unschädlich gemacht zu haben bedeutet nicht automatisch, dass man vor einer Neuinfektion gefeit ist (Immunität).


Beitragsbild-Quelle (Virus-Visualisierung): CDC/ Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAM – This media comes from the Centers for Disease Control and Prevention’s Public Health Image Library (PHIL), with identification number #23312.